Feuerengel

Die mit dem Schicksal tanzte

Tag: 30. Oktober 2008

Heute ist einer dieser Tage

die man getrost aus dem Kalender streichen sollte.

Heute habe ich T. gebeichtet, was mit AH war…   Natürlich ist er ziemlich sauer, verletzt und enttäuscht. Womit sich auch dieses Kapitel erledigt hat.

Das kann ich auch mehr als verstehen!!!  Auch wenn es mir unendlich leid tut ihm weh getan zu haben. Ich hätte mir im Leben nicht träumen lassen, dass ich jemals in eine solche Situation komme. Zumal ich selber die Treue-Predigerin Nummer eins war.

Und somit für alle, die es noch nicht gemerkt oder direkt von mir erfahren haben: Die Freundin von AH war ich!!!

Wie konnte es soweit kommen?? Ein Grund war sicher, dass AH und ich uns seit drei Jahren – rein dienstlich – kennen. Irgendwann wurde schon spürbar, dass da irgendwie mehr ist. Er war praktisch wie hypnotisiert wenn wir zusammen auf einer Baustelle waren. Auch wenn mir nie bewußt war wie sehr. Ich habe zwar immer schon gedacht, dass er ein niedliches Kerlchen ist, aber da ich ihn für jünger gehalten habe als er ist und er nebenbei auch von seiner Körpergröße nicht wirklich in meine Vorstellungen passte. Ganz davon abgesehen, dass ich nie erwartet hätte, dass er was mit ner „älteren“ Frau anfangen kann.

Als ich meine Arbeit verloren hatte, hab ich schon manchmal gedacht, dass es schade ist, dass ich ihn nicht wiedersehe und wenn irgendwo ein Wagen von der Klempnerfirman unterwegs war, habe ich mich gefragt, wer wohl drin sitzt.

Ihm ging es wohl ganz ähnlich. Er hat mich wohl wesentlich öfter unterwegs gesehen als ich ihn.

Als er dann vor meiner Tür stand habe ich mich schon sehr gefreut und die Schmetterlinge flogen.

Er hat mir dann am nächsten Tag erstmal sein Herz ausgeschüttet, über die Streitereien mit seiner Frau, den Stress wegen dem Haus etc. Es lief schlecht, ihm ging es schlecht…  naja…  jedenfalls haben wir uns angenähert. Er war jeden Tag da, abends oder in der Mittagspause. Hat alles mögliche gedreht, damit er herkommen kann. Hat auf meinen Rat hin das Gespräch mit seiner Frau gesucht, mit seiner Familie…  aber es haben sich alle gegen ihn gestellt. Das hat ihn ziemlich fertig gemacht, genau wie die Tatsache, dass seine Frau die Tochter als Waffe eingesetzt hat.

Die Geschichte mit den SMS war dann auch noch so ein Hammer. Seit sie wußte, dass es mich gibt hat seine Frau es irgendwie hinbekommen, dass sie seine SMS gelesen hat. Obwohl er alle sofort gelöscht hat. Ich war dabei!! Dann hat sie versucht, seinen Email-Account zu knacken…  und dafür hat er sie gehasst.

Er hat Pläne gemacht, wollte Wohnungen gucken, hatte nen Termin beim Anwalt, hatte schon im Kopf, was er beim Auszug mitnehmen wollte…

Am Montag, meinem Geburtstag hat er es sogar so gedreht, dass er bei mir schlafen konnte. Er war der erste der angerufen hat um zu gratulieren und vor das Vorstellungsgespräch viel Glück zu wünschen. Er war Mittags hier, nach Feierabend. Als der Besuch weg war haben wir auf der Couch gelegen und philisophiert, wie es sein wird, wenn er nicht mehr heimlich zu mir kommen muss…  Dienstag morgen habe ich ihn zu Arbeit gebracht…  und dann war alles vorbei. Völlig unerwartet und unvorbereitet…

Natürlich hatte ich T. gegenüber die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen. Es tut mir soo unendlich leid und er hat so eine doofe Ische wie mich nicht verdient!! Er hat sich so viel Mühe gegeben sich zu ändern und Schritte auf mich zu zu gehen….  nichts desto trotz hatte ich und habe ich ihn nicht weniger lieb als vor der Zeit als AH an meiner Tür klingelte. Aber es ist wohl zu spät…  und weiter zu lügen bzw. zu unterlassen hätte ich nicht ertragen.

Aber es war einfach das Gefühl, dass jemand hier ist, jederzeit da sein kann und will, mir zur Seite steht und den es interessiert wie es mir geht und was ich denke und fühle. Das ist einfach etwas, das mir unendlich fehlt. Jemand der an meiner Seite mit mir kämpft.

Im Moment ist mir alles zu viel. Die Arbeitssuche, die Sache mit dem Arbeitsgericht, das zwangsläufig fehlende Geld, das Zuhausehocken, das Alleinesein, verzweifelt nach Beschäftigung suchen damit ich wenigstens einmal am Tag aus der Wohnung komme…  alles ist Kampf!!!!  Und ich habe keine Kraft mehr!!!

Und nun sitze ich im schwarzen Loch…  niemand ist da…  Essen kann ich auch nichts… also wieder Wein…. sonst nix…  zumindest schwindet so das Bäuchlein wieder…  aber auch nichts essen zu können kostet Kraft…  in zwei oder drei Tagen wird sich das rächen!!!

Ok, L. war heute mittag da. Er hat mich in den Arm genommen, ich konnte heulen…  und mir anhören, wie blöd ich bin, dass ich nie dazu lerne und nicht auf ihn höre…  das hab ich gerade noch gebraucht!!  Danach war ich bei C. auf der Arbeit. Ich habe ihr eine CD für den Kindergeburtstag gebracht. Sie war erschrocken wie ich aussehe. Dicke verheulte und verquollene Augen. Meine ganze Körperhaltung schien die eines geprügelten Hundes zu sein. Krummer Rücken, hochgezogene Schultern, hängender Kopf…  das ist nicht meine Körperhaltung…  eigentlich…  eigentlich erscheine ich groß, aufrecht, selbstbewußt…  aber das ist alles weg.  Ich fühle mich nicht mehr. Habe ich mal wieder verloren und bin auf der Suche.

Ich wollte mich ablenken, mir was schönes gönnen. Eigentlich kann ich es mir nicht leisten, aber ich wollte etwas Geld von meinem Geburtstag nutzen um mir selber etwas schönes zu schenken. (Von meiner Familie gab es praktisch nichts zum Auspacken…  )  Aber ich habe nichts schönes gefunden. Ich sehe nichts schönes. Ich liebe es sonst durch die Stadt zu bummeln. Aber ich konnte es nicht aushalten. Die fremden Menschen, die gutgelaunt durch die Stadt pilgerten. Ich wollte auf die Sonnenbank…  und bin am Sonnenstudio vorbeigefahren. Ich hätte es nicht aushalten können 10 Minuten still zu liegen. 10 Minuten Ruhe…    als ich wieder zuhause war, war ich schockiert wie früh es noch war. Die Zeit steht still….  es wird nicht später. Also habe ich mit dem Kopf auf dem Schreibtisch dagesessen…  zwei Stunden lang…  ohne etwas zu tun…   nur wenn ein blauer Bulli vorbeifuhr schreckte ich hoch und mein Herz klopfte… nur um wieder frustriert zurückzusinken.

Ich sollte K. besuchen. Aber ich würde es nicht ertragen zu hören, wie glücklich sie ist. Sie hat jemanden kennengelernt…  und Ihre Lehrmeisterart würde ich heute nicht verkraften.

Die Kälte ist wieder da. Von tief innen…  ich kann sie nicht vertreiben. Nicht mit dicken Klamotten, nicht mit Heizung auf höchster Stufe, nicht mit Wolldecken…  sie kommt von innen und lässt meine Zähne klappern und mich zittern.

Und dann kommen Gedanken…  das bevorstehende Wochenende… Weihnachten ist nicht mehr weit…  es kommen wieder harte verzweifelte Zeiten auf mich zu…. jetzt zum dritten Mal….

Das ich gestern lebend nach Hause gefunden habe grenzt an ein Wunder…  der Nebel, die Tränenschleier…  und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben darüber nachgedacht, wie es wäre einfach von der Straße und gegen einen Baum zu lenken…  vielleicht hätte ich dann meinen Frieden!!!

Ich würde gerne wegfahren…  was anderes sehen. Vielleicht kommen dann andere Gedanken. Aber es reicht allenfalls für Benzin, nicht für Übernachtung…  Amsterdam ist zu teuer, Berlin ist zu teuer, Stade werde ich eh nicht wiedersehen, mir fallen eine Million Orte ein, wo ich lieber wäre als hier…  aber traue ich mich, alleine loszuziehen… sicher nicht!!!

Dann kommt immer wieder kurz die Hoffnung…  meldet er sich noch…  hat er die richtige Entscheidung getroffen. Das Problem in seinem Leben und seiner Ehe war nicht ich…  können sich die zwei wirklich so zusammenraufen? Ist es eine Vernunftentscheidung??? Oder Angst??? Kann er das durchhalten??? War das alles nur Show?? Denkt er an mich??? Ist er vielleicht auch unglücklich??? Werden die beiden sich wieder vertrauen können???  Ist nicht schon zu viel kaputt???

Ich denke er meldet sich nicht mehr… egal wie es dort weitergeht…  es hätte vermutlich eh nicht funktioniert…

Aber die Tränen versiegen nicht!!!

Zuhause

Wo ist man zuhause? Da wo man sich verstanden und aufgehoben fühlt??   Dann habe ich keins!!!!!!!!

Der Tag in der Heimat war die Hölle…  tausend mal „und was machst Du“ oder „lach mal“ oder „sei nicht so schlecht gelaunt“ oder „dass Du alles so ernst nehmen musst“

Was meine Familie an Gefühl zu wenig hat habe ich zu viel.

Ich habe mich selten so alleine gefühlt wie heute bei meiner Familie. Alle erwarten, dass ich den Sonnenschein auskehre und meine persönlichen Gefühle (und damit meine Persönlichkeit) unter einer Maske verstecke….  warum soll ich dann überhaupt hinfahren? Naja ich kenne es nicht anders…  wenn es mir schlecht geht heulen auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt und zwischendrin Maske auspacken und strahlen….  klappt leider nicht immer.

Sie kennen mich meist nur als Sonnenschein…  wie alle anderen auch… zumindest die, die mich persönlich kennen….  und wenn ich gut drauf bin ist auch alles in Ordnung…  aber ist Anteilnahme – oder ein wortloses Indenarmnehmen – zu viel verlangt…  zumindest von der Familie?

Als ich dort war habe ich mir gewünscht allein zu sein….  nun sitz ich hier alleine bei einem Glas Rotwein und wünsche mir Gesellschaft….   und Antworten….  aber die werde ich nicht bekommen….

Es ist wohl mein Schicksal…  zwischendurch sieht alles gut aus und fühlt sich gut an und sobald ich Vertrauen fasse kommt der Schupps von hinten und ich schmore in der Hölle….  Es ist ein Teufelskreis.

Trost habe ich ein bisschen bei M. gefunden und bei A., bei der ich lange nicht mehr war. Aber der Kontakt wird langam wieder mehr und es tut gut, sich einem Menschen, der einen ganz genau kennt, in den Arm zu werfen und einfach heulen zu dürfen ohne einen Vortrag zu kassieren, was man falsch gemacht haben könnte.

Aber die Tränen wollen noch nicht versiegen….  Wieviele Tränen kann ein Mensch weinen bevor Herz und Seele vertrocknen???

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