Informations-Vergewaltigung

Per Definition ist die Vergewaltigung ein Verstoss gegen meine Selbstbestimmung. Mir werden also, gemäß meiner Definition, Informationen aufgedrängt, die ich gar nicht haben will, denen ich aber auch kaum aus dem Weg gehen kann. Weil ich mich öffentlich und ohne Vorankündigung erreichen. Es gibt also kaum einen Weg, Ihnen zu entgehen.

Natürlich stelle ich das jetzt  überzogen dar, man mag sich also ab und an ein schelmisches Grinsen zwischen die Zeilen denken, auch wenn ich im Prinzip durchaus schreibe was ich meine.

Es scheint noch gar nicht so lange her zu sein, da hat man mit Freunden, sowohl online als auch real, häufiger Gespräche geführt über Themen oder Probleme, von denen man seinerzeit noch sagte „das kann ich ja so nicht schreiben/bloggen/posten“. Man hatte noch ein Gefühl dafür, welche Themen man einer gewissen Öffentlichkeit zumuten kann und welche – aus welchen Gründen auch immer – zu intim waren, um sie außerhalb eines geschlossenen Kreises mitzuteilen.

In letzter Zeit wünsche ich mir diese Einstellung immer häufiger zurück!!
Statt dessen werden mir auf allen möglichen Wegen Informationen aufgedrängt, die ich gar nicht will. Und es gibt Themen, bei denen ich das sehr lästig finde weil es einfach mein Pietätsgefühl verletzt und meine Schamgrenzen überschreitet. Dabei hat dazu eigentlich niemand das Recht!

Ich rede natürlich nicht von solchen Informationen wie zum Beispiel die Fußballergebnisse. Die interessieren mich nicht die Bohne und mein Kopf filtert die automatisch als gähnend langweilig aus. Es geht um Informationen, die noch vor wenigen Jahren/Monaten kein Mensch einem anderen aufgezwungen hätte. Infomationen, die man mit engen Vertrauten geteilt hätte, aber nicht mit der breiten Öffentlichkeit.

Ganz ehrlich? Es interessiert mich nicht wer wann zu welcher Zeit welche Ausscheidungen von sich gegeben hat. Egal ob derjenige gerade erst das Licht der Welt erblickt hat oder erwachsen ist. Es gibt auch einfach Dinge, die ich nicht sehen müssen will.

Dazu gehören zum Beispiel fremde oder bekannte Frauen, die gerade Ihre Babies stillen. Natürlich ist das ein ganz natürlicher Vorgang. Ich bin ja nicht geistig verknöchert. Aber es ist etwas anderes, ob ich eine vertraute Freundin und ihr Baby besuche und sie Ihr Baby in meinem Beisein zum Stillen anlegt oder ob mir unvermittelt entsprechende Bilder in die Timeline gespült werden.

Soetwas mag in einer geschlossenen Gruppe Betroffener/Gleichgesinnter in Ordnung sein, gehört haber meiner Meinung nach nicht in die breite Öffentlichkeit.

Das ist natürlich nur ein Beispiel dessen, was mir täglich  unfreiweillig an Informationen zu Teil wird. Legt jemand Wert auf meine Meinung oder will ein Feedback von mir bin ich jederzeit gerne zu einem Gespräch von Angsicht oder Angesicht oder wenigstens unter zwei Ohren per Telefon da, aber ich würde mir wünschen, dass im öffentlichen Rahmen wieder viel mehr Rücksicht darauf genommen wird, dass jeder ein Schamgefühl und intime Grenzen hat die respektiert werden müssen.

Natürlich könnte man jetzt sagen, „dann wirf solche Leute aus Deinen sozialen Netzwerken raus“, aber nur weil ich eben diese Informationen nicht will heißt das ja nicht, dass mir die Menschen dahinter grundsätzlich gleichgültig wären. Im Gegenteil, sonst hätte ich das längst getan. Im Übrigen häuft sich diese Art des Umgangs mit Erlebtem so sehr, dass ich vermutlich irgendwann ziemlich alleine bei Twitter wäre *g*

Meine Überlegung geht auch noch viel weiter.  Was einmal im Netz ist bleibt im Netz. Und es ist heute nichts leichter als Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Personen herzustellen.
Wieviele Bilder gibt es von Euch aus Euren Kindertagen oder von Euren Eltern, die, wären Sie im Internet, Euch einfach nur furchtbar peinlich wären?? Überlegt mal, wieviele Kommentare, Posts oder Bilder irgendwann dazu genutzt werden könnten um Euch, Eure Kinder, oder andere die Erwähnung gefunden haben, zu ärgern, zu mobben, zu verunglimpfen. Es ist so einfach etwas aus dem Zusammenhang zu reissen und zum Nachteil auszulegen.

Es ist unglaublich, wie immer häufiger die Leute wie selbstverständlich Dinge posten, über die man zu anderen Zeit einfach vor Scham im Erdboden versunken wäre. Seien es finanzielle Dinge, privates, etc, pp.

Ich bin selber hier im Blog immer sehr sehr offen gewesen, aber ich haben auch immer viel Wert darauf gelegt, andere Menschen, die betroffen waren, unkenntlich zu lassen oder aus der Geschichte ganz herauszhalten. Und es gibt einige Dinge, die passiert sind, die, egal wie sehr sie mich beschäftigt und belastet haben, ich niemals in einem Blog publik machen würde, wohl wissend, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe, es aber ein leichtes wäre, daraus Gerüchte oder Fußangeln zu bauen.

Denkt einfach mal drüber nach…. und denkt weiter als bis zum nächsten Jahreswechsel. Das Internet wird uns höchstwahrscheinlich überleben.

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Ein Kommentar zu Informations-Vergewaltigung

  1. Bluhnah sagt:

    Dazu zählen für mich auch „Selfies“, die ich nicht sehen will… ;-)

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