verhuschtes Mäuschen #2

Ich hatte ja hier schon mal über das verhuschte Mäuschen geschrieben.

Offenbar gestaltet sich die ganze Geschichte wesentlich schwieriger als gedacht. Nicht nur, dass sie praktisch nicht denkt, die fragt auch nicht nach. Sie schreibt lieber fünfen und sechsen in der Berufsschule und baut nach und nach weiter ab.

Nach einem Gespräch mit dem Chef hat sie erstmal Gas gegeben und sich richtig angestrengt, aber das hat leider nur kurz angehalten.

Statt dessen kommt sie mit Ringen unter den Augen ins Büro als würde sie nächtelang nicht schlafen und kriegt nichts auf die Reihe. Selbst die Ablage funktioniert nicht. Sie versteht das ganze Prinziep nicht…. und offenbar benutzt sie auch den gesunden Menschenverstand nicht.

Besonders auffallend ist, dass sie praktisch nichts von sich erzählt. Nicht, was sie am Wochenende gemacht hat, nicht wie es ihr geht, nicht was ihr durch den Kopf geht…  überhaupt nix. Selbst auf Nachfrage kommt nix. Im Grunde beantwortet sie Fragen vorzugsweise mit „ja“, „nein“ und „weiß nicht“.

Um uns Rat zu holen und zu sehen, ob die Lehrer in der Berufsschule den gleichen Eindruck haben, haben wir sie angemailt und nachgefragt. Offenbar sehen sie das gleiche Problem und im Zeugnis steht sie jetzt nicht mehr auf vier sondern auf einer glatten fünf!! Mein Lehrherr hätte mich damals erschlagen.

Das Hauptproblem ist natürlich, dass sie die Grundlagen schon nicht verstanden hat und alles andere darauf aufbaut. Zumal in diesem Arbeitsbereich ja auch viele rechtliche Belange eine wichtige Rolle spielen.

Ich hab mir gedacht, wenn sie nicht redet soll sie halt schreiben. Also hab ich ihr einen Aufsatz zur Aufgabe gemacht. Wie sie ihre Ausbildung sieht, wie sie Ihre Fortschritte sieht, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, was sie beruflich erreichen möchte, warum sie sich für diesen Beruf entschieden hat, etc.pp.

Sie schrieb fast zwei Stunden und gab mir eine halbe Din-A-4-Seite in der genau das stand, was sie erwartet, das wir es lesen wollen. Nur hatte das mit dem was in ihr vorgeht vermutlich überhaupt nix zu tun.

Man kann schimpfen, man kann bitten, man kann lieb sein…  sie ist wie vernagelt. Es kommt nichts…

Nun gehen wir den vorletzten Schritt und werden versuchen, die Eltern mit ins Boot zu holen. Vielleicht können wir dann der Ursache auf die Spur kommen. Ob das noch was hilft ist fraglich. Im März sind die Zwischenprüfungen und ich halte es für unmöglich, den alten Stoff aufzuarbeiten und gleichzeitig das neue zu lernen und aufzunehmen.

Hat hier vielleicht jemand eine Idee??

Dieser Beitrag wurde unter Alltag abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Kommentare zu verhuschtes Mäuschen #2

  1. Lily sagt:

    Oha, sowas hatte ich auch mal. Dummerweise war die Frau Quereinsteigerin und schon über 30…da war nix mehr mit Eltern einschalten drin.
    Aber nach einem Gespräch hat sie sich berappelt und ein bisschen Brennstoff nachgelegt.
    Interessanter Blog hier!

    Gruß
    Lily

  2. Mr. Unwichtig sagt:

    Tja, Brennstoff nachlegen gab’s ja schon mal, entpuppte sich allerdings lediglich als Strohfeuer.
    Steht nur zu hoffen, dass die Deern sich wenigstens bei der Partnersuche halbwegs geschickt anstellt und geheiratet wird, ansonsten gibt es wohl bald eine Hartz-IV-Empfängerin mehr…

    Greetz, Mr. Unwichtig :D

  3. webbi sagt:

    Tja, wahrscheinlich hat sich das Mädchen einfach nur den falschen Job ausgesucht und einfach keinen Bock!
    Was einen nicht interessiert bleibt auch nicht hängen, so einfach ist das.
    Selbst nach durchgefeierten Nächten, mit oder ohne Drogen, (die Augenringe!) würde sie ihre Aufgaben hinbekommen, wenn sie Spaß daran hätte.
    Ich würde sie mal in einem privaten Gespräch zu Seite nehmen und, ohne Vorwürfe, einfach mal darauf ansprechen, ob sie überhaupt Spaß an dem Beruf hat und warum sie immer so müde und unkonzentriert ist …

  4. ruediger sagt:

    Sie macht wohl bei Euch nicht was sie wirklich will, sondern macht es, weil sie „muss“. So würde ich das Ergebnis der Aufsatzaktion werten. Die Eltern hinzuzuziehen ist meiner Meinung nach (noch) eine schlechte Idee, weil die noch mehr Druck auf sie ausüben werden.

    Wie wäre es, sich mit ihre außerhalb des Büros zu treffen, vielleicht sie auf einen lapidaren Außentermin mitnehmen. Ich würde es auf der privaten Ebene versuchen, sofern ein Zugang möglich ist.

  5. Also, ich kenn ja die Hintergründe nicht und bin auch heute hier zum ersten Mal gelandet. Aber wenn ich das lese, sträuben sich mir ein bisschen die Haare- auf beide Seiten bezogen.

    Es klingt für mich nicht so, als ob sie von euch besonders freundlich behandelt oder ernst genommen würde. Wahrscheinlich ist sie viel jünger und eben die „Sklavin“.
    Offensichtlich habt ihr aber auch keine Ahnung von ihrem Hintergrund: Warum sie diese Ausbildung macht, was sie sonst im Leben interessiert oder ihr auch (offensichtlich) Probleme macht.
    Wenn ich mich als doofe Tussi behandelt fühlen würde, würde ich mich auch nicht öffnen und von meinem Wochenende erzählen…

    Wie gesagt, ich habe ja keine Ahnung- aber es gibt unendlich viele Möglichkeiten, warum sie sich so verhält
    – sie hat selbst (noch) keine Ahnung, was sie kann und was sie wirklich interessiert, wo ihre Fähigkeiten, Neigungen und Stärken liegen (sie ist 18 oder? Ich habe es auch erst viel später rausgefunden!!)
    – sie möchte etwas ganz anderes machen, wird aber von ihren Eltern dazu gezwungen?
    – sie hat irgendwelche ganz anderen Sorgen, Ängste oder Probleme, die die Arbeit völlig unwichtig erscheinen lassen
    – sie ist einfach ne dumme Gans
    – sie kapiert wie viele Menschen in dem Alter noch nicht, wie wichtig eine vernünftige Grundlage für das weitere Leben ist
    – oder
    – oder
    – oder

    Aber mit „Strafarbeiten“: nun schreib mal einen Aufsatz kommst du bestimmt nicht an sie ran! Wenn sie wirklich so wenig intelligent ist, dann ist Schreiben für sie ne zusätzliche Qual- und sicher nicht das Medium, über dass sie sich öffnet.

    Vielleicht könnte es helfen,
    wenn du deinen Blick vielleicht etwas unvoreingenommener gestalten könntest, also auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen, als dass sie nur verstockt ist.
    So eine innere Einstellungsänderung strahlt man mit der Zeit auch aus. Dann schaffst du es vielleicht auch, mal wirklich mit ihr ins Gespräch zu kommen, das nicht nach einem Vorwurf oder pädagogischem Zeigefinger aussieht, sondern sie wirklich als Interesse an ihrer Person versteht.

    Warum sollte sie in so einer Atmosphäre Vertrauen haben?

    Und versuch doch mal, deinen „Job“, ihr die minimalsten Dinge beizubringen (Ablage etc.) auch etwas spielerischer zu sehen, damit es dir selbst mehr Freude macht? Sozusagen als Herausforderung – oder was auch immer dich dazu motivieren könnte?

    Oweia, das war jetzt überaus pädagogisch- aber ich habe nun mal jahrelang Lehrer und Ausbilder fortgebildet, die mit solchen Jugendlichen zu tun hatten…

    Ein Gespräch mit Eltern kann sinnvoll sein, um mögliche Hintergründe und Ursachen zu erfahren, von denen ihr vielleicht keine Ahnung habt. Vielleicht, dass die Eltern selbst unmöglich sind und ihr euch nicht mehr wundert.
    Wichtig, es als Information für euch zu sehen, um dem Mäuschen besser helfen zu können- und nicht als zusätzliche Druckmaßnahme.
    Ich kann nur aus meiner eigenen leidvollen Schulerfahrung sagen: Druck hat bei mir nie geholfen!! Da bin ich nur in Todesstarre gegangen und habe gar nichts mehr geschafft.

    Dass ich mit dem Thema „Lernen“ mal mein Geld verdiene, hätte ich mir nie träumen lassen, da die Schule für mich ein einziger Albtraum war. Weil ich damals keine Ahnung hatte, wie ich gut lernen kann – und meine Lehrer und Eltern leider auch nicht. DAs habe ich erst viel später erfahren…
    So, genug- und sorry, wenn ich dir zu nahe getreten bin. Bin über Twitter irgendwie hier gelandet…

  6. Feuerengel sagt:

    @ Lily

    Danke für die Blumen!! Also in diesem Fall werden die Eltern wohl auch nichts mehr ausrichten können.

    @ Mr.Unwichtig

    Bist Du wieder zurück?? Oder wuselst Du noch immer durch den Kosovo??
    Ich denke, es ist nicht damit getan, den richtigen zu heiraten… sie muss das Problem von Grund auf lösen.

    @ webbi

    das war anfangs auch mein Verdacht. Aber sie behauptet steif und fest, dass es ihr Traumberuf ist und um die Nächte durchzufeiern ist sie nicht der Typ. Sie geht eher gar nicht aus. Es wird tatsächlich ein gravierenderes Problem dahinter stecken. Aber das direkte Gespräch haben wir mehrfach versucht und es hat zu nichts geführt.

    @ ruediger

    Alles schon versucht. Sie lässt niemanden an sich heran. Wir haben es ohne Druck versucht, mit Druck…. es hilft alles nichts, aber inzwischen hat sich die Angelegenheit erledigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

:wink: :twisted: :roll: :oops: :mrgreen: :lol: :idea: :evil: :cry: :arrow: :?: :-| :-x :-o :-P :-D :-? :) :( :!: 8-O 8)